Kompetenzzentrum TMJ
Die Behandlung des Kiefergelenks beschäftigt Ärzte schon seit Jahrtausenden. Bereits im Edwin-Smith-Papyrus, der vor etwa 5.000 Jahren verfasst wurde, wurde die Versorgung von Frakturen des Unterkiefers und des Kiefergelenkbereichs mittels Bandagen, Schienen und Ruhigstellung beschrieben.
Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts brach eine neue Ära an, als Perthes (1924) und Wassmund (1927) in Deutschland erstmals chirurgische Eingriffe bei Verletzungen des Kiefergelenks befürworteten – und damit eine Debatte auslösten, die bis heute andauert: Soll die Behandlung konservativ oder chirurgisch erfolgen? Im Jahr 1934 führte Reichenbach die funktionelle Kieferorthopädie als wirksames Behandlungskonzept ein. In den folgenden Jahrzehnten gewann die chirurgische Behandlung stetig an Bedeutung, da neue Techniken, verbesserte Instrumente und ein tieferes Verständnis der Gelenkbiomechanik das Spektrum der therapeutischen Möglichkeiten erheblich erweiterten.
Doch trotz jahrhundertelanger Erfahrung und jahrzehntelanger wissenschaftlicher Forschung gibt es nach wie vor keine weltweit anerkannten, allgemein gültigen Standards für die Behandlung vieler Erkrankungen und Verletzungen des Kiefergelenks.
Aus diesem Grund wurde im Jahr 2026 die International Association of TMJ (IATMJ) gegründet, um Wissenschaftler, Chirurgen, Kieferorthopäden, Radiologen, Physiotherapeuten und alle an der Versorgung des Kiefergelenks beteiligten Fachrichtungen zusammenzubringen. Ihr Ziel ist es, auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierende internationale Standards zu entwickeln und Zahnärzte sowie Ärzte entsprechend auszubilden – damit Patienten weltweit davon profitieren können.
Im Rahmen dieses evidenzbasierten Auftrags legt das Zentrum besonderen Wert auf die von Professor Chi Yang aus Shanghai entwickelten Operationstechniken. Er gehört zu den Ersten, die die weitreichenden Folgen einer anterioren Diskusverschiebung für das Wachstum und die Entwicklung des Unterkiefers und des Kiefergelenks erkannten, und er entwickelte die notwendigen chirurgischen Verfahren – einschließlich der endoskopischen Chirurgie und der entsprechenden Instrumente, um diese Erkrankungen gezielt zu behandeln und gleichzeitig die funktionelle Entwicklung des Gelenks zu erhalten.
Es war daher das Ziel der Deutschen Chirurgie Stiftung, Professor Chi Yang als Direktor und Kursleiter des TMJ Kompetenzzentrums zu gewinnen, und wir fühlen uns geehrt, dass uns dies gelungen ist.